Virtual Planning – Entwerfen in Minecraft

In diesem Semester gab es wie immer so einige interessante Projektangebote für uns Studenten. Im Masterstudiengang ist das Angebot reduziert und da wurde die Wahl zwischen „Schwimmende Architektur“, „Nachhaltiges Holzhotel“ oder „Think Virtual – Minecraft“ getroffen.

01Entwerfen in Minecraft war für mich unvorstellbar. Mir fehlte der Bezug zur Realität und fälschlicherweise empfand ich die Aufgabe als stupide.

Nun beobachte ich meine Kommilitonen und Freunde beim Planen und Bauen in diesem ulkigen Spiel. Der Professor richtete einen eigenen Server ein: Eine unendlich prozedural generierende Welt im sogenannten Kreativmodus. Es gibt keine Gesundheit, dafür unendliche Mengen an Ressourcen und Baumaterial. Das Grundmodul ist ein virtueller Ein-Meter-Block. Dieser kann alles sein: Gras, Erde, Stein, Wasser, Wolken, sogar Tiere und vieles mehr.

0203Am individuellen Wunschstandort (am Strand, unter Wasser, im Himmel, im Dschungel, auf und in Gebirgen, in Schneewüsten, in Lavahöhlen etc.) soll ein Hotel gebaut werden – ein außergewöhnliches und vielleicht verrücktes Hotel, welches sämtlichen Regeln der Schwerkraft und des Kräfteverlaufs trotzt. Die Möglichkeiten? Beinahe grenzenlos.

Die Schwierigkeiten bestehen darin, dass durch die Meter-Rasterung schon ein 16-Zimmer-Hotel immense Ausmaße annimmt und man in gewisser Weise den Mut haben muss, einfach los zu bauen. Der erste Stein braucht scheinbar ewig, bis er gesetzt wird. Ist er zu tief, zu hoch oder zu weit links? Im schlimmsten Fall reißt man alles wieder Stein für Stein ab und baut neu.

Faszinierend ist die Raumbildung. Ich lasse mir gerne die neuesten Stände zeigen. Wir fliegen in der Egoperspektive zum Ort des Geschehens und wenn wir dann inmitten einer 30-Block-Durchmesser-Röhre unter dem Wasser schweben, bin ich beeindruckt von der Raumatmosphäre.

040506In Minecraft muss man vom kleinsten Element aus entwerfen. Sicher kann man eine Vorstellung haben, wie das Ganze später aussehen soll, aber der einzelne Raum im Raster und im Kontext ist das Entscheidende. Direkt im Entwurfsprozess wird eine Atmosphäre und Qualität des Raumes übertragen, welche umgehend eine Wertung finden.

Ich bereue meine Entscheidung nicht, ein anderes Projekt gewählt zu haben. Dennoch hat sich meine Einstellung gegenüber der Anforderung des Projektes definitiv geändert. Es ist ein Entwerfen im Kontext mit direktem Feedback. Nicht irrelevant ist die Tatsache, dass ich mich für das andere – reale – Hotelprojekt entschieden habe. Besser könnten wir die Entwurfsprozesse so nicht vergleichen. Es gibt Parallelen, aber von den verschiedenen Herangehensweisen und Beweggründen der Entwürfe können beide Seiten lernen.
Und: Nicht nur ich habe dieses Projekt „Think Virtual“ unterschätzt.

0708
Genießt den verspäteten Schnee diesen Winter.
Für mich heißt es: Semesterendspurt!

P.s.: Ein großer Dank an Katharina Huch und St. Thiemicke für das Bereitstellen der Bilder ihrer beiden Entwürfe!