Archiv des Autors: Monique Meißner

Tag der Architektur’14 . Katharinenturm

Bevor ich meine Entdeckungen des diesjährigen „Tag der Architektur“ vergangenes Wochenende zeige, möchte ich – längst überfällig – ein Objekt in Magdeburg vorstellen, welches letztes Jahr (Sommer 2014) seine Türen öffnete zum Motto „Architektur bewegt“.

Am letzten Juniwochenende im Jahr findet nahezu bundesweit dieser besondere Tag statt. Hier kann sich jeder Architektur- oder Kulturinteressierte einzelne Objekte in zahlreichen Städten ansehen und sich dazu die Geschichten und Intentionen der Projektbeteiligten anhören.

Im vergangenen Jahr stand das Logistik- und Verwaltungszentrum GUNZ und der „Katharinenturm“ – beides in Magdeburg – auf meinem Laufzettel.

Der Katharinenturm
…ist eine kleine Sehenswürdigkeit in unserer Domhauptstadt in Sachsen-Anhalt. Nicht so berühmt wie der Dom selbst, das Hundertwasserhaus oder der Elbauenpark, jedoch voll gepackt mit Geschichte und Leben.

2014-11-06_KathaT_01Anstelle des heutigen Wohn- und Geschäftshauses stand einst die Kirche St. Katherinen. Im Bombenangriff des Zweiten Weltkrieges brannte die Kirche aus und in der Zeit der DDR wurden die Überreste des Sakralbaus entgültig entfernt. Es entstand neu: Das Haus der Lehrer. Nach tiefgreifendem Umbau sehen wir heute den Katharinenturm – ein modernes Wohn- und Geschäftshaus im Zentrum Magdeburgs.
2014-11-06_KathaT_02-12014-11-06_KathaT_02-2Besichtigen konnte man die oberste Etage, das 11. Obergeschoss: Die Konferenzetage gab einen beeindruckenden Blick über der Stadt Magdeburg frei.

Während das Design der Innenräume eher um zurückhaltende und harmonische Eleganz bemüht ist, verkörpert die Fassade bei Einbruch der Dunkelheit einen lauten und auffallenden Charakter. Da die Besichtigung tags stattfand, habe ich leider keine entsprechenden Fotos dazu. Auf der Internetpräsenz des Bauwerks liest man aber von insgesamt 16.000 LED’s, die das Hochhaus bei Nacht illuminieren. Und das tun sie – Weiß, Violet, Grün…

Ein Schwerpunkt beim Umbaukonzept war die Thematik mit den Loggien in den Eckbereichen. Diese verdrehen sich von Geschoss zu Geschoss. Wie eine Ziharmonika falten sich die großen Fensterkonstrukionen – in zwei Ebenen: innen und außen – zur Seite und öffnen damit den Raum nach außen bzw. holen das „Draußen“ herein.
2014-11-06_KathaT_06(li. Johanniskirche, re. Breiter Weg und am Horizont der Magdeburg Dom)

minecraft reloaded

Erinnert Ihr Euch noch an das Entwerfen in Minecraft?
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Im vergangenen Wintersemester werkelten und spielten unsere Kommilitonen in der gerasterten Welt vor sich hin und schufen Hotels in Landschaften zwischen Gut und Böse.
Jetzt wurde ein kleiner studentischer Film *baucraft* veröffentlicht, der unseren Campus in dem Open-World-Spiel zeigt.

Es gibt ein großes Wiedererkennungspotenzial und man kann sich ein abstrakt-reales Bild vom Hochschulstandort in Dessau (Fachbereiche : Architektur | Design | Facility Management | Vermessungswesen) machen – inklusive Bauhaus.

Der didaktische Ansatz beim Entwerfen in Minecraft sei dabei in einer groben Abstraktion zu arbeiten.
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Viel Spaß beim Ansehen des Kurzfilms.
Ich wünsche Euch eine sonnenreiche Restwoche und größtmögliche Erfolge!

Reduce – Reuse – Recycle…

… dieser Slogan ist wohl weltweit bekannt und präsent in vielen Diskussionen rund um Nachhaltigkeit, Umwelt & Co. Er greift aber auch im Denken des Schaffens in Kunst, Kultur, Architektur, Technik und vielem mehr.
Reduce steht inhaltlich für die Verringerung von Wegwerfware, Reuse bedeutet „Weiterverwendung“ und die materielle Umwandlung findet sich im Recycle.
01Im Lehrmodul „Gestalt – Technologie – Material“ hatten wir im 3. Semester unseres Masterjahrganges die Freude kreativ und experimentell zu gestalten. Nun macht man das als Architekturstudent offenbar jedes Semester in beinahe jedem Kurs, doch dieses Mal kam die Lehre – bei Prof. A. Theurer – einher mit einer gewissen Ungezwungenheit und künstlerischen Freiheit.

Der Titel: „Zweckentfremdet“.
Das Thema: Einfach definiert mit „Verwandlung“.
Alltägliche Gegenstände – Massenware, Wegwerfartikel, unaufgeregte Gewohnheitsprodukte – sind die Hauptdarsteller. Mittels minimalistischer und serieller / rhythmischer Fügung gilt es die Ursprungsform und technische Funktion des Einzelnen zu verfremden bzw. zu ersetzen. Mehrgebilde tragen nun eine neue visuelle, ästhetische, technische oder inhaltliche Funktion.

13Der Anfang fällt schwer. Alltägliche Gegenstände sind so selbstverständlich, dass sie unsichtbar scheinen und trotz höchstem Nutzungsgrad doch nur selten im Augenmerk liegen.
Was tun? – Bewusst und mit offenen Augen das eigene Zuhause abgrasen: In jeder Schublade, jeder Kiste auf jedem Regal jeden Quadratzentimeter absuchen. Zahnbürsten drehen und wenden, Löffel stundenlang betrachten und Stifte, Tassen und Blumentöpfe stapeln! Wenn das nicht fruchtet, dann ab zum nächsten Ramschladen in die Küchenabteilung!
11Zahlreiche Produkte wurden probiert und bei einer finalen Ausstellung präsentierten sich gelungene Ergebnisse. So unterschiedlich sie in Ursprungsform sind, so verschieden sind sie auch in ihrer Umsetzung: Simpel oder komplex, philosophisch tiefgründig oder flach, dafür gewitzt oder logisch, schön und elegant oder trashig!

Aber seht selbst:
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„Möge der Haushalt Sie zu aufregenden Arrangements inspirieren.“ [Prof. A. Theurer]
Chapeau!

… Und damit wünsche Ich Euch einen feierlichen Start in den ersten, und zahlreiche kreative und produktive Stunden im restlichen Mai.
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Virtual Planning – Entwerfen in Minecraft

In diesem Semester gab es wie immer so einige interessante Projektangebote für uns Studenten. Im Masterstudiengang ist das Angebot reduziert und da wurde die Wahl zwischen „Schwimmende Architektur“, „Nachhaltiges Holzhotel“ oder „Think Virtual – Minecraft“ getroffen.

01Entwerfen in Minecraft war für mich unvorstellbar. Mir fehlte der Bezug zur Realität und fälschlicherweise empfand ich die Aufgabe als stupide.

Nun beobachte ich meine Kommilitonen und Freunde beim Planen und Bauen in diesem ulkigen Spiel. Der Professor richtete einen eigenen Server ein: Eine unendlich prozedural generierende Welt im sogenannten Kreativmodus. Es gibt keine Gesundheit, dafür unendliche Mengen an Ressourcen und Baumaterial. Das Grundmodul ist ein virtueller Ein-Meter-Block. Dieser kann alles sein: Gras, Erde, Stein, Wasser, Wolken, sogar Tiere und vieles mehr.

0203Am individuellen Wunschstandort (am Strand, unter Wasser, im Himmel, im Dschungel, auf und in Gebirgen, in Schneewüsten, in Lavahöhlen etc.) soll ein Hotel gebaut werden – ein außergewöhnliches und vielleicht verrücktes Hotel, welches sämtlichen Regeln der Schwerkraft und des Kräfteverlaufs trotzt. Die Möglichkeiten? Beinahe grenzenlos.

Die Schwierigkeiten bestehen darin, dass durch die Meter-Rasterung schon ein 16-Zimmer-Hotel immense Ausmaße annimmt und man in gewisser Weise den Mut haben muss, einfach los zu bauen. Der erste Stein braucht scheinbar ewig, bis er gesetzt wird. Ist er zu tief, zu hoch oder zu weit links? Im schlimmsten Fall reißt man alles wieder Stein für Stein ab und baut neu.

Faszinierend ist die Raumbildung. Ich lasse mir gerne die neuesten Stände zeigen. Wir fliegen in der Egoperspektive zum Ort des Geschehens und wenn wir dann inmitten einer 30-Block-Durchmesser-Röhre unter dem Wasser schweben, bin ich beeindruckt von der Raumatmosphäre.

040506In Minecraft muss man vom kleinsten Element aus entwerfen. Sicher kann man eine Vorstellung haben, wie das Ganze später aussehen soll, aber der einzelne Raum im Raster und im Kontext ist das Entscheidende. Direkt im Entwurfsprozess wird eine Atmosphäre und Qualität des Raumes übertragen, welche umgehend eine Wertung finden.

Ich bereue meine Entscheidung nicht, ein anderes Projekt gewählt zu haben. Dennoch hat sich meine Einstellung gegenüber der Anforderung des Projektes definitiv geändert. Es ist ein Entwerfen im Kontext mit direktem Feedback. Nicht irrelevant ist die Tatsache, dass ich mich für das andere – reale – Hotelprojekt entschieden habe. Besser könnten wir die Entwurfsprozesse so nicht vergleichen. Es gibt Parallelen, aber von den verschiedenen Herangehensweisen und Beweggründen der Entwürfe können beide Seiten lernen.
Und: Nicht nur ich habe dieses Projekt „Think Virtual“ unterschätzt.

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Genießt den verspäteten Schnee diesen Winter.
Für mich heißt es: Semesterendspurt!

P.s.: Ein großer Dank an Katharina Huch und St. Thiemicke für das Bereitstellen der Bilder ihrer beiden Entwürfe!

 

Ausstellung | bauforumstahl e.V. in Dessau

Ausstellung.indd20.11.2013 – Am Mittwochabend eröffnete bauforumstahl e.V. die temporäre Ausstellung zum Preis des Deutschen Stahlbaues 2012 bei uns in der HS Anhalt in Dessau. Bis zum 04.12.2013 werden im Foyer des Gebäudes 04 die Preise, Förderpreise und Auszeichnungen zu sehen sein.

Prof. Stefan Worbes – Professor mit Leidenschaft für den Industrie- und Stahlbau – hielt eine kurze Einleitung und im direkten Anschluss daran führte uns Herr Zimmermann – Fachberater des BFS – mit einer spannenden Leichtigkeit und ansteckenden Begeisterung geschwind durch das Wesen und Schaffen des bauforumstahl, den ausgelobten Preisen und natürlich den prämierten Arbeiten.
Ausstellung.inddDie Projekte bestechen im Gesamten durch ihre Vielfalt in der Vielfalt. Nicht nur die Nutzungen variieren von Bürobauten über Sport- bis Wohnbauten (uvm.), sondern auch der Umgang mit dem Material Stahl ist mannigfaltig. Dabei wurden beispielsweise Bestandskonstruktionen wieder frisch aufgearbeitet und neu belebt, dynamische Tragwerke geschaffen, innovative Fassaden gedacht oder sehr überlegte und nachhaltige Konzepte gefunden.
Ausstellung.inddNeben dem Preis des Deutschen Stahlbaues wird auch der Förderpreis des Deutschen Stahlbaues für Studenten ausgelobt. Hier können Studienarbeiten eingereicht werden, welche später im besten Fall prämiert und in einer Dokumentation veröffentlicht werden. Auch hier kennt die Buntheit keine Grenzen: Thema, Nutzung, Konstruktion – alles erlaubt und gewünscht.
Also ran an den Speck!

Ausstellung.inddSchinkensnacks, Knabbereien und Getränke gesellten sich nach der Ausstellungseröffnung in entspannter Atmosphäre dazu. Diskussionen, Neugier und Anerkennung begleiteten die Projektbetrachtungen.

Ausstellung.inddVielen Dank für die Ausstellung und die bereitgestellten Broschüren und Bücher!

Grenoble | Part II

Exkurs. Lehmbauarchitektur

Grenoble2-1In der Fortsetzung zur Grenoble-Exkursion möchte ich Euch gerne Beispiele historischer und moderner Lehmbauten vorstellen.

Wie schon im vorangegangen Beitrag berichtet, begann unsere Lehmbau-Exkursion in der École Nationale Supérieure d’Architecture. Aufgrund der Einzigartigkeit der akademischen Ausbildung zieht der Lehrstuhl Studenten aus aller Welt an und so entstand auch eine noch immer wachsende Sammlung an internationalen Lehmen.

Im Innenraum der Armadillo box® (Solar Decathlon 2010. Europe|Madrid 4.Platz) fanden wir feine Lehmpaneele – von einem asiatischen Meister – die hervorragend das Raumklima auf Behaglichkeit regulieren.

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Später am Tag besuchten wir historische Stampflehmbauten in der Umgebung Grenobles. Besonders auffällig sind die großzügigen Dachüberstände, um vor Schlagregen und starker Witterung zu schützen. Mittels Schalungen lässt sich Stampflehm zu tragenden Wände verarbeiten. Stampft man den Lehm zu Ziegeln, werden diese nach dem Trocknen wie Mauerwerk verbaut.Grenoble2-3Der große Hofbau (o.li. und u.) ist mittlerweile mehrere Hundert Jahre alt, sehr gut erhalten und genutzt.
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Als Kontrast zu den historischen Bauten besichtigten wir einen neuen Grundschulbau, der zeigt wie Lehm auch in der modernen Zeit Einsatz finden kann in Statik, Ästhetik und Raumklima.
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Einen schönen Überblick über die Verarbeitungsmöglichkeiten des Lehms erhält man in
„Le Domaine de la Terre“
in Villefontaine – einer Mustersiedlung. Zu sehen gibt es wieder Stampflehmbauten, aber auch Lehmziegel und Leichtlehm in Ausfachungen.
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Lehmbau besitzt eine feuchteregulierende Eigenschaft, speichert Wärme gut und trägt somit zu einem behaglichen Raumklima bei. Der Nachhaltigkeitsgedanke spiegelt sich in der Ressource, dem weltweiten Vorkommen und dem geringen Primärenergiegehalt wieder.

Besonders spannend finde ich den Einsatz im Innenraum – eben wegen des Raumklimas und der Behaglichkeit. Es lohnt auf jedenfall, sich mit diesem erdnahen Baumaterial auseinanderzusetzen.

À bientôt et bonne soirée!

Grenoble | Part I

Ein kleiner Reisebericht:
Im vergangenen Sommersemester fuhren wir auf eine Exkursion nach Frankreich:
Grenoble liegt im Panorama der französischen Alpen – in der Region Rhône-Alpes.
Insgesamt blieben wir vier Tage bei bestem Wetter und nahmen ein Maximum an Sehenswertem mit.
Collage_Layout - Kopie.inddCollage_Layout - Kopie.inddDie Exkursion stand unter der großen Überschrift „Lehmarchitektur“.
Dabei besichtigten wir zunächst vor allem historische Lehmbauten aber auch moderne Realisierungen.
Collage_Layout - Kopie.inddBesonders ist zudem die Hochschule École Nationale Supérieure d’Architecture in Grenoble zu benennen. Sie besitzt mit dem Lehrstuhl CRATerre die einzigartige akademische Ausbildung zum Master „Architecture de terre“. Hier wird das Erbe der Lehmbauarchitektur an Studenten unterschiedlichster Nationalitäten weitergegeben und erforscht.
Collage_Layout - Kopie.inddDesweiteren nahm die Hochschule am Wettbewerb Solar Decathlon Europe teil und kehrte 2012 sogar mit dem ersten Preis nach Hause zurück. Den Beitrag „Armadillo Box“ (2010) konnten wir persönlich besichtigen. Den Preisträger „Canopea“ (2012) lernten wir in einem Vortrag in der Hochschule kennen.

Der letzte Tag brachte ganz neue Impressionen mit sich: Wir fuhren in die Gebirgszüge der Chartreuse und wanderten mit „großer Stille“ um das gleichnamige Mönchskloster La Grande Chartreuse.
Collage_Layout - Kopie.inddSeit 1084 leben Mönche des Kartäuserordens in diesem Kloster. Bis heute leben sie fernab äußerer Einflüsse als Einsiedler in der idyllischen Landschaft.

Fortsetzung folgt…

semesterferien

Vier Monate lang studiert, intensiv gelernt, zahlreiche Nächte durchgearbeitet und nun beginnen allmählich die entspannenden und glücklicherweise sonnigen Semesterferien.

Eine Vorschau – und gleichzeitig ein kleiner Semesterrückblick – auf kommende Beiträge zu unseren Studienprojekten zeigen wir Euch auf den zusammengewürfelten Collagen.

Collage_Kathi

Collage_Moni

Seid gespannt auf Eindrücke und Einblicke in das Leben zweier Architekturstudentinnen: Unsere Studienarbeiten, Katharinas Erlebnisberichte zu Florida und unsere architektonischen Entdeckungen auf Reisen und Exkursionen.